Sondersammelgebiet Altaische und Paläoasiatische Sprachen, Literaturen und Kulturen

Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen

Dieses Sondersammelgebiet ist linguistisch definiert. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde es in Göttingen innerhalb des größeren ural-altaischen Gebietes gesammelt und ab 1970 als eigenständiges Sammelgebiet stark ausgebaut. Unter den altaischen Sprachen werden alle türkischen, mongolischen, tungusischen Sprachen und das Koreanische verstanden.

Diese altaischen Sprachen werden in einem breiten Gürtel, der sich im wesentlichen nördlich der eurasischen Ackerbauzone vom Bosporus bis zur Beringstraße hinzieht, gesprochen. Hinzu kommen die paläoasiatischen Sprachen, auch paläosibirisch genannt, die in Ost-Sibirien und Japan (Ainu) vertreten sind. Diese Sprachen haben untereinander keine linguistische Verwandtschaft. Zu ihnen gehören auch die Eskimosprachen Sibiriens.

Das Koreanische nimmt in diesem breiten Gebiet eine Sonderstellung ein, da die Koreaner eine alte Hochkultur besitzen. Göttingen beherbergt daher eine der größten Sammlungen koreanischer Literatur in Deutschland mit weit über 100.000 Bänden, seit über dreißig Jahren von ausgebildeten Koreanisten betreut.

Ebenfalls gut bestückt ist die Sammlung an Mongolica. Der komplette mandschurische Kanjur als Abzug von den Orginaldruckplatten des 18.Jahrhunderts wurde kürzlich angeschafft. In letzter Zeit wurde ebenfalls die Sammlung von Sinkiang Literatur aus Chinesisch Ost-Turkestan stark ausgebaut. Hierzu gehört auch die Sibo-Literatur des Ili-Gebietes. Die Sibo sprechen einen mandschurischen Dialekt. Während die Sprache der Mandschuren, die von 1644 bis 1912 über China herrschten, in der Mandschurei fast ausgestorben ist, hat sich das Sibo bis heute lebendig erhalten.

Der größte Teil der altaischen Sprachen wird jedoch von kleinen nomadischen Völkerschaften in Sibirien gesprochen, die ursprünglich keine eigene Schriftkultur besaßen und heute oft am Rande des Verlöschens stehen. Bei diesen kleinen Sprachen ist nicht die Masse der Literatur wichtig, sondern das Sammeln von allen veröffentlichten Sprachdokumenten überhaupt. Dies schließt auch orale Literatur und Volksschulbücher ein, häufig die einzige Literatur in diesen Sprachen.

Die Literatur der westlichen Turksprachen der Türkei und in den neuen islamischen Republiken Zentral- und Westasiens wird zudem von der Universitätsbibliothek Halle gesammelt, so daß Göttingen hier nur wesentliche Nachschlagewerke anschafft.